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Kündigung einer schwerbehinderten Mitarbeiterin

Frau M ruft mich an. Sie habe eine Kündigung erhalten. Auf Nachfrage berichtet sie mir, sie sei 53, seit 17 Jahren als Verkäuferin im Unternehmen, alleinstehend und habe eine 75 %ige Schwerbehinderung. Zu den Hintergründen der Kündigung befragt, erzählt sie, sie fühle sich den ihr gestellten Aufgaben oft nicht gewachsen, der Leistungsdruck hätte in den letzten Jahren erheblich zugenommen und ihre Kollegen würden sie mobben. Sie reagiere auf diese Situation bereits mit körperlichen Symptomen. Im Grunde genommen würde sie sich gerne eine neue Arbeit suchen, habe aber Angst in ihrem Alter und mit ihrem Grad der Schwerbehinderung keine neue Stelle zu finden. Sie wolle in jedem Fall auf den sicheren Arbeitsplatz nicht verzichten, solange sie keine neue Stelle habe. Sie bittet Kontakt zu ihrem Arbeitgeber herzustellen.

Der Geschäftsführer Herr W steht dieser Art der Konfliktlösung positiv gegenüber. Er berichtet, in den letzten Jahren habe es über Frau M immer wieder von Seiten der Mitarbeiter Beschwerden gegeben. Frau M sei offensichtlich den gestellten Anforderungen nicht gewachsen, andere Mitarbeiter müssten dann die ihr obliegenden Aufgaben erfüllen, was das Arbeitsklima erheblich belaste. Den entstehenden Unmut würden die Mitarbeiter auch direkt bei Frau M ablassen. Dass sie sich gemobbt fühle, könne er verstehen, da er die Ursache für die Situation in der Person von Frau M sehe, wüsste er nicht, wie er das verhindern könne. Ihm sei klar, dass das Integrationsamt die für die Wirksamkeit der Kündigung notwendige Zustimmung  verweigern könne bzw. dass er einen Kündigungsschutzprozess wohl verlieren werde. Es wisse sich aber nicht anders zu helfen, die aktuelle Situation sei jedenfalls auch nicht mehr tragbar. Wir reden über die eingeschränkten Chancen der Frau M am Arbeitsmarkt und entwickeln folgenden Vorschlag an Frau M: Herr W nimmt die Kündigung zurück und stellt Frau M ab sofort für 3 Monate unter Weiterzahlung ihrer Bezüge frei. Frau M solle diese Zeit zur intensiven Arbeitssuche nutzen, danach wolle man weitersehen. Frau M ist mit dem Vorschlag einverstanden.

Nach 2 Monaten meldet sich Frau M, sie habe tatsächlich eine Stelle gefunden, sie müsse sich aber zunächst auf eine Probezeit von 6 Monaten einlassen und fragt, ob ihr Arbeitsvertrag und die Freistellung ohne Fortzahlung der Bezüge für diesen Zeitraum fortlaufen könne. Herr W ist mit der Entwicklung der Sache zufrieden und erklärt sich bereit, dem Wunsch von Frau M nachzukommen.

Frau M besteht die Probezeit. Die Konfliktpartner schließen einen Aufhebungsvertrag mit einer Abfindungsvereinbarung. Beide sind extrem zufrieden mit dem Ausgang des Konfliktes und der Methode seiner Lösung.

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