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Unfallflucht oder Einkaufsbummel

Frau M ruft an, und erzählt mir von einem Vorfall, der sich vor einer Woche im Parkhaus eines Einkaufszentrums zugetragen habe. Beim Einfahren in das Parkhaus habe sie kurzfristig die Spur gewechselt, dabei habe sie ein Geräusch gehört, dass sie dem Überfahren der erhöhten Fahrspurbegrenzung zugeordnet habe. Dann habe sie sich einen Parkplatz gesucht und sei in das Einkaufscenter gegangen, wo sich ungefähr eine Stunde aufgehalten habe. Als sie mit ihren Einkäufen zu ihrem Auto zurückgekehrt sei, habe ein Polizist neben ihrem Fahrzeug gestanden und ihr den Vorwurf der Unfallflucht eröffnet. Sie sei aus allen Wolken gefallen. Angeblich hätte sie bei dem abrupten Spurwechsel ein anderes Auto gestreift, an ihrem Auto gab es leichte Spuren von dem Zusammenstoß. Auf Nachfrage erklärt sie mir, sie könne sich an ein anderes Fahrzeug erinnern, nach ihrem Eindruck, sei es aber nicht nah genug für einen Zusammenstoß gewesen. Der Polizist habe ihr mitgeteilt, dass er ein Ermittlungsverfahren wegen Unfallflucht gegen sie einleiten werde. Frau M habe noch beteuert, dass sie von dem Zusammenstoß nichts bemerkt habe, der Polizist hätte diese Aussage unbeeindruckt zur Kenntnis genommen. Insgesamt sei das Gespräch mit dem Polizisten sehr erschütternd für sie gewesen, sie hätte sich behandelt gefühlt, wie ein Schwerverbrecher.

Ich nehme mit der Polizei Kontakt auf. Hier teilt man mir mit, das Verfahren sei bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben, Frau M werde von dort Nachricht erhalten.

Ich telefoniere mit Frau M und wir vereinbaren, dass sie zunächst das Schreiben von der Staatsanwaltschaft abwarten wird und mich dann kontaktiert. Frau M ruft 3 Wochen später an: Sie habe von der Staatsanwaltschaft das Angebot erhalten, das Verfahren nach §153 a StPO einzustellen, verbunden mit einer Geldauflage von 600 €. Wir reden über ihre Möglichkeiten: Sie könnte das Angebot der Staatsanwaltschaft ablehnen, dann würde diese wahrscheinlich Anklage erheben und Frau M müsste sich als Angeklagte einem Strafverfahren aussetzen. Da sie sich keiner Schuld bewusst sei, könne sie das Gericht mit großer Wahrscheinlichkeit von ihrer Unschuld überzeugen. Ein Restrisiko der Verurteilung bleibt dennoch bestehen. Frau M möchte einem Verfahren lieber aus dem Weg gehen. Sie habe sich schon von dem Polizisten vorverurteilt gefühlt und hat Angst, dass sich dieses Verhalten ihr gegenüber vor Gericht fortsetzt. Andererseits hält sie eine Geldauflage in der vorgeschlagenen Höhe für überhöht und ihren Einkommensverhältnissen nicht angepasst. Wir verabreden, dass ich mit der Staatsanwältin Kontakt aufnehme, um über die Höhe der Geldauflage zu sprechen.

Die Staatsanwältin steht einem Gespräch über die Höhe der Auflage offen gegenüber. Sie möchte, dass Frau M ihr ihre Einkommensverhältnisse offenlegt. Dem kommt Frau M gerne nach, woraufhin die Staatsanwaltschaft die Geldauflage um die Hälfte reduziert. Frau M ist sehr zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens. Mit der Einstellung gegen Geldauflage ist keine Verurteilung verbunden.

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