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Lagerungsschaden nach OP

Herr S ruft mich an: Vor einem halben Jahr habe er sich wegen einer Wirbelsäulenverletzung operieren lassen müssen. Die OP sei geglückt, grundsätzlich sei Herr S den behandelnden Ärzten dafür sehr dankbar, da die OP nicht ganz ohne Risiko gewesen sei. Allerdings habe er im Gesicht von der Lagerung während der OP eine Verletzung davongetragen. Die Ärzte hätten sich dazu wie folgt geäußert: Er sei ordnungsgemäß gelagert gewesen, die OP habe aber doppelt so viel Zeit in Anspruch genommen, wie ursprünglich veranschlagt, nämlich 8 Stunden, einen Lagerungsschaden könne man in solch einer Situation, selbst bei größter Sorgfalt nie ganz vermeiden. Ich frage nach, wie ausgeprägt, die Verletzung sei und ob es Aussichten gebe, dass sie sich über die Zeit noch in ihr Ausprägung verringern werde. Herr S verspricht, mir ein Foto von der Verletzung zu senden. Sein behandelnder Arzt habe ihm gesagt, dass die derzeitige Ausprägung der Verletzung sich nicht mehr wesentlich verbessern werde. Nach Eingang des Fotos verabreden wir uns für ein neues Gespräch. Auf dem Foto zeigt sich mir ein eurostückgroßes dunkler gefärbtes Hautareal, das aussieht, wie eine großflächige Verunreinigung der Haut, auf den ersten Blick sichtbar aber nicht dominant im gesamten Erscheinungsbild. Herr S erklärt mir dazu, er sei ein Mann in den besten Jahren, eine Schönheitswettbewerb wolle er nicht mehr gewinnen, trotzdem störe ihn das Mal, er werde oft darauf angesprochen und er hätte gerne eine Entschädigung. Er habe sich bereits von einem Rechtsanwalt beraten lassen, der ihm die Auskunft erteilt habe, auf dem gerichtlichen Wege sei eine Durchsetzung der Ansprüche nicht ganz einfach. Man müsse dem Pflegepersonal eine Pflichtverletzung und ein Verschulden nachweisen. Er habe auch keine Lust das Krankenhaus zu verklagen, das käme, ihm undankbar vor, er hätte schließlich auch im Rollstuhl landen können. Ein einvernehmliches Verfahren, wie die telefonische Streitschlichtung empfindet er in dieser Angelegenheit als geradezu ideal und er beauftragt mich, im Rahmen der Telefonmediation mit dem Krankenhaus Kontakt aufzunehmen und teilt mir die Kontaktdaten des Chefarztes der behandelnden Klinik mit. Herr Prof. M ist vielbeschäftigt, so erkläre ich zunächst seiner Sekretärin worum es geht. Herr Prof. M ruft mich aber innerhalb von 2 Tagen zurück. Er ist sehr freundlich und schlägt vor, dass er den Sachverhalt und meine Kontaktdaten an seine Versicherung übermittle, es werde sich dann jemand von der Versicherung bei mir melden. Nach 4 Wochen bekomme ich ein Schreiben von den Versicherungsmaklern, man bietet Herrn S ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht einen Betrag an. Ich telefoniere mit Herrn S. Er lässt sich zu der Höhe der gebotenen Summe nochmal rechtsberaten und meldet sich bei mir zurück mit dem Entschluss: eigentlich hätte er gerne die doppelte Summe, wenn sich die Versicherung darauf nicht einlassen werde, wäre er auch mit dem derzeitigen Angebot zufrieden. Eine Klage möchte er in jedem Falle nicht anstreben. Ich nehme telefonischen Kontakt mit dem Versicherungsmakler auf, ich schildere ihm, die Beeinträchtigungen von Herrn S durch sein jetziges Erscheinungsbild. Der Makler macht letztlich das Angebot, die gebotene Summe zu verdoppeln. Herr S ist mit dem erzielten Ergebnis sehr zufrieden.

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