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Pasta oder Basta

Herr B ruft mich an: Er sei im Ruhestand. Früher habe er ein italienisches Restaurant betrieben, dass er nun seit 6 Jahren verpachtet habe. Vor 2 Jahren sei der Pächter an ihn herangetreten mit der Bitte, die Pacht wegen schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse von 3.000,00 auf 2.500,00 € zu reduzieren. Herr B sei auf den Wunsch des Herr P damals eingegangen. Nun habe er einen Brief von einem Rechtsanwalt erhalten, der abermals eine Pachtreduzierung von 2.500,00 auf 2.000,00 € anregt. Herr B berichtet, dass der Pachtvertrag noch ein Jahr laufen würde. Danach wolle Herr B das Restaurant verkaufen. Der Anwalt redet von neuen wirtschaftlichen Einbußen, da die Strandpromenade, an der das Restaurant liege in den nächsten Monaten aufwändig saniert werde und deshalb mit erheblichen Umsatzeinbußen gerechnet werden müsse.

Herr B fühlt sich erpresst, er kann nicht recht glauben, dass die Lage so schwierig ist, wie von Herrn P geschildert. Andererseits hat er Sorge, Herr P könne kurz vor der Insolvenz stehen. Das wäre für den geplanten Verkauf des Restaurants ungünstig, weil sich ein leerstehendes Restaurant schlechter verkaufen lasse. Ginge er auf den Vorschlag von P zum jetzigen Zeitpunkt aber ein, so würde sich die Ermäßigung der Pacht auch negativ auf den zu erwartenden Kaufpreis auswirken.

Herr B ist hin und hergerissen, entschließt sich aber letztlich, der Bitte von P nicht nachzukommen. Er bittet mich, im Rahmen einer telefonischen Streitschlichtung den Anwalt zu kontaktieren und ihm die Beweggründe für die Ablehnung zu erklären, sein Ziel sei es, trotz der Ablehnung sein Verhältnis zu P so wenig wie möglich zu belasten. Ich telefoniere mit dem Rechtsanwalt und teile ihm die Entscheidung von B und deren Hintergründe mit. Der Rechtsanwalt bedankt sich für die Offenheit, äußert aber gleichzeitig Besorgnis über die wirtschaftliche Zukunft seines Mandanten und bittet mich B diese Besorgnis zu übermitteln. Dem komme ich nach.

Herr B ruft eine Woche später wieder an, inzwischen habe er sich näher über die geplanten Baumaßnahmen informiert, er halte die Einschätzung von P jetzt für realistisch und er habe überlegt, wie er P entgegenkommen könne und gleichzeitig seine eigenen Interessen wahren könne. Es sei auf folgende Lösung gekommen: Herr P habe zu Beginn der Pacht verschiedene Einbauten, z.B. einen neuen Tresen und einen neuen Herd in das Restaurant eingebracht. Im Pachtvertrag sei geregelt, dass er diese Einbauten am Ende der Vertragslaufzeit wieder ausbauen und mitnehmen werde. Herr B sei nun auf die Idee gekommen, dass die monatliche Summe, die Herr P weniger bezahlen möchte eine Art Abstandsleistung seinerseits auf diese Einbauten darstellen könnte. Man müsste sich zunächst auf einen Zeitwert der Einbauten und einen konkreten Abzahlungsplan einigen.  Für ihn wäre diese Regel günstig, weil er dann ein Restaurant mit kompletter Einrichtung verkaufen könnte.

Ich telefoniere mit dem Anwalt, der diese Idee seinem Mandanten unterbreiten will. P findet den Vorschlag gut, in der Folge wird die Idee in allen Einzelheiten ausgehandelt.

 

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